Varianten der Eigenremontierung
Die Remontierung wird in Deutschland über verschiedene Varianten durchgeführt. Der klassische Weg ist der Jungsauenzukauf, wobei die Tiere dann über eine Quarantänephase in die Sauenherden eingegliedert werden.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit für den Landwirt, die Jungsauen in eigener Regie, durch die sogenannte „Eigenremontierung“, zu erzeugen und in die produktive Herde zu integrieren.
Im Folgenden stellt die Firma „Hypor Deutschland“ verschiedene Möglichkeiten vor, welche Landwirte nutzen können, um die Eigenremontierung auf ihrem Betrieb umzusetzen.
1.Eigenremontierung mit Reinzuchttieren und Blup - Zuchtwertschätzung
Der Landwirt kauft einmalig Reinzuchttiere (Großelterntiere), Typ Landrasse (D – Linie) oder Typ Edelschwein (C – Linie). Hierfür werden in der Regel 8 bis 10 % der produktiven Herde gerechnet. Die Jungsauen haben bei Anlieferung einen Zuchtwert und die besten Reinzuchttiere werden sofort zur Ur-Großelternproduktion (C x C oder D x D) verwendet um hieraus später die Großelterntiere zu remontieren.
Die verbleibenden ca. 90 % der Reinzuchttiere werden dann in Kreuzung C x D oder D x C belegt um F1 Sauen zu produzieren.
Für die Anpaarung werden dem Kunden monatlich Zuchtwerte zur Verfügung gestellt (Versand per Email). Der Landwirt übermittelt regelmäßig die biologischen Daten seiner Tiere in den zentralen Rechner und bekommt dann automatisch die Zuchtwerte zurück geschickt. Die Berechnung der Zuchtwerte erfolgt zentral in Boxmeer, NL. Hier laufen die weltweit erfassten Daten zusammen und werden alle Zuchtwerte gerechnet. Zur Ermittlung der Zuchtwerte werden die Leistungsdaten von etwa 35.000 Reinzuchtsauen erfasst (beide Linien). Einfluss auf die Zuchtwerte haben neben den biologischen Leistungen auch Angaben über Geburtsverhalten, Strichleisten, Fundamentbeurteilungen, usw.
Auf diesem Weg hat jeder Landwirt, der an diesem System teilnimmt, die Sicherheit, immer auf den neusten Stand des Zuchtfortschrittes zu sein. Hier zu ist auch eine 50%‘tige Remontierung der Reinzuchttiere in der eigenen Herde notwendig.
Eine Eberauswahl für die eigene Jungsauenproduktion steht auf verschiedenen Besamungsstationen zur Verfügung. Bei der monatlichen Anlieferung der Zuchtwerte wird auch jeweils ein Anpaarungsplan beigefügt, damit verhindert wird, dass der Landwirt durch Inzucht Leistungsdepressionen in der Herde bekommt.
Seitens Hypor erfolgt eine regelmäßige Produktionsbetreuung auf dem Betrieb und eine Kontrolle des Datenaustausches.
Diese Variante der Eigenremontierung ist die Sicherste, um zeitnah den höchsten Zuchtfortschritt zu haben und liefert darüber hinaus durch den Wegfall von Tierzukauf eine sehr hohe Sicherheit für die Beibehaltung der Tiergesundheit in der Herde. Für die Arbeit der Produktionsbetreuung und der Zuchtwertschätzung wird eine Lizenz erhoben.
Sinnvoll ist diese Variante der Eigenremontierung für Herden ab ca. 800 produktive Sauen.
Wenn die Sauenherden kleiner sind und der Landwirt trotzdem seine Jungsauen selber produzieren möchte, weil er z.B. den Tierzukauf einschränken (minimieren) will, gibt es folgende Möglichkeiten:
2. Eigenremontierung mittels kontinuierlichen Zukauf von Reinzuchttieren ohne Zuchtwertschätzung
Mittelgroße Sauenbetriebe, die eine Basisherde von 20 bis 60 Sauen benötigen, um die eigenen Jungsauen zu produzieren, können hierfür Reinzuchttiere (D- oder C- Linie) zukaufen. Die Jungsauen werden dann durch die Anpaarung des gegenteiligen Ebers produziert und auf dem eigenen Betrieb aufgezogen.
Die Ebereinsätze der Reinzuchteber sollten in diesem Fall sehr breit gestreut sein. Da nur F1 Sauen produziert werden gestaltet sich der Ebereinsatz aber einfach.
Die Erhaltung des Zuchtfortschrittes erfolgt über den Zukauf der Reinzuchtsauen und durch den Einsatz der Reinzuchteber von den Besamungsstationen. Die Reinzuchteber werden mit einer 80 bis 100%igen Remontierung ausgewechselt. Für die Reinzuchtsauen sollte auch in diesem Fall eine 50%‘tige Remontierung geplant werden. Die Reinzuchtsauen werden selbstverständlich immer von gleichen Vermehrer geliefert.
Die Produktion der eigenen Jungsauen und die Betreuung durch die Firma Hypor Deutschland werden auf Lizenzbasis abgerechnet.
Die Einhaltung des Zuchtfortschrittes ist ebenfalls immer zeitnah. Die biologische Sicherheit für den Herdengesundheitsstatus ist etwas geringer, da noch zwei- bis dreimal im Jahr Reinzuchttiere zugekauft werden müssen. Dieses Risiko kann durch eine lange Quarantänephase und Anlieferung vom immer gleichen Vermehrer, minimiert werden.
3. Einsatz von Reinzuchtsperma ohne Tierzukauf
Landwirte, die seit Jahren eigene Jungsauen für sich produzieren und remontieren, sollten aus tiergesundheitlichen Gründen auch weiterhin keine Tiere zukaufen. Wenn sie aber feststellen, dass sie züchterisch ins Hintertreffen geraten sind und den Zuchtfortschritt wieder aufholen wollen, können sie bei der Firma Hypor auch Sperma von Reinzuchtebern zukaufen.
Hierzu erfolgt zunächst ein Beratungsgespräch mit einem Außendienstmitarbeiter. In diesem Gespräch wird dann erörtert, auf welcher Grundlage die bisherige Eigenremontierung gemacht wurde und wo die Defizite im Zuchtfortschritt liegen.
Hier ergeben sich die unterschiedlichsten Varianten, zum Beispiel dass Landwirte eine eigene, kleine Basisherde haben und diese auch beibehalten wollen bis hin zur Eigenremontierung über Wechselkreuzung.
Die Abrechnung erfolgt ebenfalls über eine Lizenz, die entweder pro Spermatube oder monatlich pro produktive Sau abgerechnet wird. In jedem Fall erfolgt eine Produktionsbetreuung durch die Firma Hypor.
Die Umstellung, bzw. das Erreichen eines hohen Zuchtfortschritts dauert sehr lange, der Gesundheitsstatus der produktiven Herde wird aber nicht gefährdet.
4.Wechselkreuzung
Kunden, die eine jahrelange Remontierung mittels Jungsauenzukauf gemacht haben und sich dann für den Schritt in die Eigenremontierung entscheiden, wählen oft die Variante der Wechselkreuzung.
Hier wird auf die vorhandene F1 Jungsauen ein Reinzuchteber eingesetzt, so dass eine ¾ zu ¼ Kreuzungssau entsteht. Diese Anpaarung wird dann ein Jahr durchgeführt und im Folgejahr wird mit der gegenseitigen Reinzuchtseite angepaart. Somit wird dann eine 2/3 zu 1/3 Kreuzungssau. Mit diesen Kreuzungsauen (sogenannte F2 Generationen) werden dann die Jungsauen erzeugt, die Mastferkel produzieren.
Die Vorteile liegen eindeutig in der Sicherung des Gesundheitsstatus. Der Zuchtfortschritt wird dann aber nur noch über die Eberseite erreicht und die Streuung der Mastschweine kann etwas größer werden. Es ist in einem solchen Fall besonders auf die Auswahl der Endstufeneber zu achten.
5.Arbeiten mit Reinzuchtherden
Wenige Kunden arbeiten mit reinrassigen Herden. Es ist eine ungewöhnliche Variante, nur mit dem Typ Landrassesau oder dem Typ Edelschweinsau zu arbeiten.
Es besteht eine sehr große Auswahl an sehr guten Leistungsträgern, welche reinrassig mit dem gleichen Typ Eber belegt werden.Dadurch wird der genetische Fortschritt sichergestellt und der Zukauf von Jungsauen kann unterbleiben. Wohlwissend, dass der Heterosiseffekt bezüglich Fruchtbarkeit und Robustheit durch die Kreuzungsanpaarung von Landrasse x Edelschwein nicht zum Tragen kommt.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Homogenität der Mastendprodukte, weil man Mastschweine aus nur zwei Linien produziert.










